Bezirksimkerverein Unteres Kocher- und Jagsttal

Das Bienen- und Imkerjahr

Auflistungen, was im Bienenjahr alles passiert und was der Imker zu tun habe gibt es massenhaft. Jedes Buch und jede www-Seite über Bienen enthält Eine. Deshalb sollen hier vor allem die spezifischen Besonderheiten unserer Region im unteren Jagsttal genannt werden. Wir liegen im Übergang von atlantischem zu kontinentalem Klima.

Das Bienenjahr beginnt nicht dem menschlichen Kalender. Wichtige Marker im Bienenjahr sind die Winter- und Sommersonnwende oder das Schwärmen im Frühling.

Seminarort
Erste Sammlerinnen an Weide mit Pollenhöschen

März

Die Bienen fliegen an warmen Tagen, für den Imker beginnen mit der Auswinterung der überlebenden Völker ab Ende März die arbeitsintensiveren Monate. Es blühen Kornelkirsche an Strassenrändern, Weidenarten, die vielen wilden Stachelbeeren an Steinriegeln und steinigen halbsonnigen Zonen. Gesammelt werden von den Bienen vor allem Pollen, die sie in Form von "Bienenbrot" für ihre Brut benötigen, aber auch der erste Nektar.

April

Anfang April oder sogar schon Mitte März (Blühbeginn Kirschpflaume 2014 am 13.3.) beginnen sich in unserer Region Steinobstblüten und Ahorn zu öffnen, bei denen die Bienen soviel Nektar holen können, dass keine Gefahr mehr besteht, noch zu verhungern. Die Ersten sind Kirschpflaumen, Schlehen, bald darauf folgen Zwetschgen und andere Pflaumen, schliesslich Birnen. Die Bienenvölker "brummen", sind schwer beschäftigt, sie wachsen stark, die erste Drohnenbut wird angelegt. Der Imker erweitert die Magazine und damit den Raum für die Völker, setzt schliesslich mit Beginn der Kirschblüte den Honigraum oben auf. Die Kirschblüte ist unser wichtigster Blühbaum im Frühling, weil in vielen unserer Waldabschnitte ein Anteil von Wildkirschen wächst. Honig nur aus Kirschblütennektar gibt es indes nur selten, zu viele andere Blühpflanzen mischen sich dazu und im rapiden Frühlingsablauf wird der Nektar zunächst vor allem sofort wieder verbraucht. Eingelagert wird erst, wenn das Volk stärker ist und noch mehr Nektar fliesst.
In den letzten Jahren kam es vor, dass manchmal bereits in den letzten Apriltagen eine erste Schleuderung bei starken Völkern möglich war. Der allererste Honig in den Jahren mit frühem Blühbeginn ist oft etwas malzig-dunkler durch den Ahornnektar und duftiger durch leichte Löwenzahnanteile. In normalen Jahren bleibt er jedoch weiss. Zu schnell saust unser Frühling durch.

Aus dem Rapsfeld nach Hause
Mai

Im Wonnemonat ist "die Hölle los", Imker und Bienen haben alle Hände und Flügel voll zu tun. Raps- und Apfelblüte (hier immer gleichzeitig) bringen zwei Wochen lang ergiebigen Nektar, die Frühtracht. Der Imker schleudert anschliessend, muss sich mit dem erwachten Schwarmtrieb auseinandersetzen, verbringt viel Zeit mit seinen Bienen. Eine Vielzahl imkerlicher Arbeiten ist zu erledigen. Gefürchtet sind jetzt Nässe- und Kälteperioden, die zu erhöhtem Wassergehalt im Honig führen.
Bestenfalls Rapshonig gibt es als Sortenhonig bei uns. Nektararme neue Sorten und ungeeignete Böden haben die Bedeutung als Trachtpflanze vermindert. Viel Honig gibt es, wenn Raps für Saatgutvermehrung angebaut wird. Robinien für Akazienhonig sind zwar vielfach zu sehen, aber deren kurze Blüte fällt fast immer in die ersten Gewitter, auf die sie sehr empfindlich reagiert. Eine wichtige Rolle spielt bei uns der Blütenreichtum des jungen Sukzessionswaldes an den Flusshängen, der auf ehemaligen Weinbergen wächst.
Die Bienen entwickeln sich vor allem in den Rändern der Flusstäler Jagst, Kocher und Seitentäler gut, die unsere Region durchziehen. Hier ist die Landschaft stärker strukturiert und vielfältiger, während die Flächen dahinter vielfach reine Agrarwüsten ohne Nahrung für Insekten sind, die Waldstücke Baumplantagen. Nur die Rapsfelder und einige Obstplantagen bieten für sehr wenige Wochen im Jahr Nahrung (möglicherweise aber auch Pflanzenschutzmittelduschen), ansonsten sind sie wie viele heutige Baumwiesen nur "grüne Wüste".
Auch innerörtliche Standplätze gefallen Bienen meistens gut. Gärten, Friedhöfe und Strassenbegleitgrün bringen heute mehr ökologische Vielfalt wie offenes Land. Innerhalb der Stadtgebiete stehen verhältnismässig viele Völker.

Der Honig fliesst
Juni

Der Trachtexpress ist schon fast durchgerauscht. Die Sommersonnwende Mitte Juni beendet auch den Schwarmtrieb. Drohnen werden aber weiter ausgebrütet und zu tun gibt es auch noch sehr viel. Einige Imker begeben sich mit ihren Völkern im Juni auf Wanderschaft, um trachtreichere oder höhere Gebiete aufzusuchen, wo noch mehr blüht. Lokal blüht die an manchen Stellen wachsende Linde, leider zumeist sehr nektararme Varietäten oder wegen Trockenheit ohne Nektar; die vermehrt wieder im Wald angebaute Edelkastanie sowie allerlei wilde Rubus-Arten, Him- und Brombeeren. Die Honige werden dunkler, flüssiger oder fallen aus, wenn das Wetter nicht mitspielt.
Waldhonig aus Honigtau kommt vor, ist aber bei uns eher selten. Um den zu bekommen, wird in den nicht weit entfernten schwäbischen Wald und den entfernteren Schwarzwald gewandert. Nicht nur die Veränderungen des Klimas sind dafür verantwortlich, sondern auch die rapide Zunahme von importierten Baumarten, an denen keine nektarerzeugenden einheimischen Schnabelkerfe leben können: Douglasienkulturen, Roteichen, Hybridpappeln. Wenn Waldhonig aus Honigtau kommt, dann vor allem an Buchen, Eichen und auch stark von Honigtauerzeugern an Linden.
Die Völker haben jetzt ihre grösste Stärke.

Bienen beim Wasser holen
Juli

Die imkerlichen Arbeiten und die Bienen richten sich nun bereits auf den Winter aus. Honig wird sofern noch vorhanden abgeschleudert, die Magazine werden verkleinert, gegen Ende Juli das erste Bienenfutter aus Invertzucker gegeben (ihren Honig haben wir ihnen schliesslich gestohlen), die Ameisensäurebehandlung gegen Varroamilbenparasiten vorbereitet, die Umstellung auf den Wintersitz erledigt.
Im Juli ist meist kein Honigertrag mehr zu erwarten. Im trockenheissen Jahr 2015 gab es erstmalig Sortenhonig aus Phacelia im Juli, einem Gründünger der Landwirtschaft. Sonnenblumenfelder sieht man zwar oft in unserer Gegend, aber die angebauten Sorten produzieren keinen Nektar, nur die Pollen sind für Insekten mässig interessant.
Imker, die in den Schwarzwald wandern und auf späte Weisstannentracht hoffen, müssen auf Ameisensäure verzichten und ganz auf spätere Oxalsäurebehandlungen setzen - hier sind die Völkerverluste höher.

August

Es beginnt die ruhigere Jahreshälfte. Jetzt können auch Imker in den Urlaub gehen. Nach der ersten Ameisensäurebehandlung wird noch einmal gefüttert. Nektar und Pollen gibt es aber auch noch genügend, so blühen noch viele Neophyten: Kanadische Goldrute an trockenen Stellen, drüsiges Springkraut an den Flüssen, samthaarige Stinkesche, Helianthus-Arten.

September

Nach der zweiten Ameisensäurebehandlung werden die Völker oft nicht mehr geöffnet. Die Bienen fliegen weiterhin an allen warmen Tagen. Es gibt auch noch Pollen.

Bienenstand im Schnee - ein seltenes Bild bei uns

November, Dezember

Die Restentmilbung mit Oxalsäure sollte jetzt stattfinden, was in den letzten Jahren nicht leicht war, weil die nötige Brutfreiheit mangels auslösender Fröste gar nicht erreicht wurde. Es blieb zu warm, die Bienen brüteten durch. Ab der Wintersonnwende am 21.12. beginnen die Bienen fast immer sowieso wieder mit dem Brutgeschäft. Daraus entstehen bereits wieder Sommerbienen, während die Winterbienen bis März absterben und durch Bienen ersetzt werden, die besser an das Sommerhalbjahr angepasst sind.